Kapitel 1: Ableismus in der Schule

“Ableismus” ist

wenn Menschen mit Behinderung

schlecht behandelt werden.

Das spricht man so aus:

“Ej-bell-is-mus”.

Sprüche, die weh tun.

Ich bin Anna.

Ich bin nicht „die Dumme“.

Aber manche Menschen nennen mich so.

„Ich bin Anna.

Ich bin 16 Jahre alt.

Ich gehe auf eine Förder-Schule

die beim Lernen hilft.

Ich mag die Schule.

Und meine Klasse.

Da habe ich gute Freunde.

Der Unterricht macht mir Spaß.”

Aber dann passieren Dinge

die machen alles kaputt.

Im Schul-Bus höre ich oft gemeine Sprüche.

Zum Beispiel:

„Guck mal

die geht auf die Förder-Schule für Behinderte.

Die sind dort alle dumm.“

Das tut mir sehr weh.

Ich frage mich:

Warum denken die das?

Sie kennen mich doch gar nicht.

Ich strenge mich sehr an.

Und habe schon viel gelernt.

Sogar meine Schwester hat mal gesagt:

Schäm dich.

Du hast keine normale Schule geschafft.

Aber warum soll ich mich schämen?

Ich habe nichts falsch gemacht.

Und ich mag meine Schule.

Ich bin traurig.

Ich bin wütend.

In meiner Klasse ist alles besser.

Da lacht niemand über mich.

Da sagt niemand

dass ich mich schämen soll.

Da darf ich sein

so wie ich bin.

Und das ist genau richtig so.

Dieser Text ist ausgedacht.

Aber Menschen auf Förder-Schulen

erleben oft genau solche Dinge.

Nett gemeint – aber…

Manche Menschen sagen Dinge über Behinderung.

Sie meinen es gut.

Aber die Sprüche tun weh.

Diese Dinge hören Menschen mit Behinderung oft.

Warum tun diese Sprüche weh? 

Was denkst du?

Man sagt mir:

„Ich finde es toll,

wenn jemand wie du

Lesen und Schreiben lernt“

Ich denke mir:

„Denkst du

ich könnte nichts?

Nur weil ich

Down-Syndrom habe?

Ich habe die Schule

geschafft!

Und ich habe einen

Ausbildungs-Platz.“

Man sagt mir:

„Das muss schlimm sein.

Du bist an den Roll-Stuhl

gefesselt.

Du bist so tapfer!“

Ich denke mir:

„ich bin nicht gefesselt

Der Roll-Stuhl gibt mir

Freiheit.

Damit kann ich überall

hinkommen.

Es ist nichts Schlimmes.

Und man muss mich nicht dafür loben.“

Man sagt mir:

„Du leidest an Autismus?

Das sieht man dir gar

nicht an!“

Ich denke mir:

„Ja ich bin Autistin.

Aber ich „ leide“ nicht

daran.

Ich bin einfach so.

Es tut mir weh

wenn andere Menschen

denken,

dass Autismus etwas

Schlimmes ist.“

Man sagt mir:

„Wie toll!

Du bist blind

und kannst trotzdem

alleine gehen!“

Ich denke mir:

„Du gehst ja auch

alleine!“

Man schreit mich an:

„SCHADE!

WIR WOLLTEN INS

KINO.

DAS IST SICHER

NICHTS FÜR DICH!“

Ich denke mir:

„Du musst nicht

schreien.

Und nicht langsam sprechen.

Ich bin nicht dumm.

Ich höre nichts.

Kino mag ich trotzdem!“

Behindert sein ist auch normal!

Menschen mit Behinderung

können viele Dinge richtig gut.

Und bei manchen Sachen

haben sie Probleme.

So wie alle Menschen auch.

Wenn man aber immer nur sagt:

“Das kannst du nicht.”

dann geht es oft nur um die Behinderung.

Wir wollen aber über die Stärken sprechen.

Deshalb sagt man heute auch nicht mehr:

“Behinderte”.

Man sagt lieber:

“Mensch mit Behinderung”.

Dann geht es um den Menschen

und nicht um die Behinderung.

Menschen mit Behinderung werden oft anders behandelt.

Das ist nicht fair.

Das nennt man:

Ableismus.

Ableismus bedeutet:

Menschen mit Behinderung werden benachteiligt.

Das passiert auch mit Worten.

Sprache ist also wichtig.

Sprache kann Menschen zusammen-bringen.

Sprache kann freundlich sein.

Sprache kann Respekt zeigen.

Aber:

Sprache kann auch weh-tun.

Sprache kann ausgrenzen.

Auch wenn es nett gemeint ist:

Manche Dinge kommen trotzdem schlecht an.

Deshalb:

Wir sollten darauf achten

was wir sagen.

Böse gemeinter Ableismus ist:

Man denkt gleich

ein Mensch mit Behinderung

kann etwas nicht.

Das verletzt.

Zum Beispiel:

Eine Lehrerin denkt:

Die Schülerin kann es eh nicht.

Darum hilft sie nicht.

Das ist verletzend.

Es sagt:

Du bist nicht gut genug.

Internalisierter Ableismus

Manche Menschen mit Behinderung hören immer wieder:

Du bist anders.

Du bist nicht normal.

Dann glauben sie das selbst.

Sie denken:

Ich bin eine Last für andere.

Das nennt man:

internalisierten Ableismus.

Das bedeutet:

Man glaubt die schlechten Sachen über sich selbst.

Aber das ist nicht wahr.

Jeder Mensch ist gleich viel wert.

Jeder Mensch hat das Recht dabei zu sein.

Behinderten-Feindlichkeit

Manche Menschen sind absichtlich gemein. 

Sie machen sich über Menschen mit Behinderung lustig.

Oder sie sagen:

Menschen mit Behinderung sind weniger wert.

Das nennt man:

Behinderten-Feindlichkeit.

Das ist noch schlimmer.

Denn das ist absichtliche Diskriminierung.

Ableismus ist eine Art von Diskriminierung.

Ableismus ist mehr als nur Beleidigungen.

Es ist ein ganzes System von schlechten Gedanken.

Menschen werden danach bewertet:

Was können sie?

Was können sie nicht?

Dabei geht es nicht nur um Beleidigungen.

Auch Bevormundung gehört dazu.

Und Mitleid.

Behinderung – was bedeutet das?

Viele Menschen haben eine Beeinträchtigung.

Beeinträchtigung bedeutet:

Ein Mensch kann etwas 

nicht genauso tun 

wie andere Menschen.

Das kann sein:

  • am Körper
  • an der Seele
  • beim Verstehen 
  • bei den Sinnen

(zum Beispiel beim Hören oder Sehen)

Manche Behinderungen kann man sehen.

Zum Beispiel

wenn jemand im Roll-Stuhl sitzt.

Manche Behinderungen sieht man nicht.

Zum Beispiel:

  • Wenn jemand langsamer lernen kann.
  • Wenn jemand Autismus hat.

Eine Beeinträchtigung muss kein Problem sein.  

Zum Beispiel: 

Viele Menschen sehen schlecht.

Sie tragen eine Brille.

Sie können damit gut sehen.

So können sie normal leben.

Aber nicht alle Menschen mit Brille sehen ganz gut.

Manche haben trotzdem Probleme.

Eine Behinderung entsteht oft erst

wenn ein Mensch mit Beeinträchtigung

anders behandelt wird.

Also wenn es Barrieren gibt.

Zum Beispiel:

  • Treppen ohne Aufzug
  • schwere Sprache
  • schlechte Informationen

Diese Barrieren machen das Leben schwer.

Die Menschen können nicht gut mitmachen in der Gesellschaft. 

Barrieren sind Hindernisse.

Sie machen es schwerer für Menschen mit Behinderung.

Auch die Teilhabe in der Gesellschaft wird schwerer.

Teilhabe bedeutet: 

Jeder Mensch soll überall dabei sein können.

Das bedeutet:

Selbst-bestimmt mitmachen.

Ohne fremde Hilfe.

Ob in der Schule.

Bei der Arbeit.

Oder in der Freizeit.

Man entscheidet selbst, was man tun möchte.

Man bekommt die nötige Unterstützung.

So kann man ohne Hindernisse am Leben teilnehmen.

Deshalb sagt man auch:

„Ich bin nicht behindert. Ich werde behindert.“ 

Das heißt: 

Nicht der Mensch ist das Problem.

Die Barrieren sind das Problem.

Dieser Spruch kommt aus der Behinderten-Bewegung.

Das Ziel ist:

Sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen.

Der Spruch sagt:

Behindert sein hängt nicht nur vom Körper ab.

Oder von der Psyche.

Es geht auch um andere Dinge:

  • Gibt es Rampen?
  • Darf man mitreden?
  • Bekommt man Unterstützung?

Förder-Schulen und inklusive Schulen

Anna geht in eine Förder-Schule

Andere Kinder ärgern sie deshalb.

Anna könnte auch in eine inklusive Schule gehen.

Das ist der Unterschied:

Förder-Schule

Eine Förder-Schule ist eine besondere Schule.

Dort lernen Kinder mit Behinderung.

Oder Kinder die besondere Hilfe brauchen.

Es gibt verschiedene Förder-Schulen:

  • für Kinder mit Lern-Schwierigkeiten
  • für Kinder die schlecht sehen
  • für Kinder die schlecht hören
  • für Kinder mit Sprach-Problemen
  • für Kinder mit körperlichen Behinderungen
  • für Kinder mit emotionalen Problemen 
  • für Kinder mit sozialen Problemen 

In Förder-Schulen lernen die Kinder

getrennt von Kindern ohne Behinderung.

Förderschule

Inklusive Schule:

„Inklusion“ bedeutet „aufnehmen“.

In einer inklusiven Schule

lernen alle zusammen.

Kinder mit Behinderung

und Kinder ohne Behinderung.

Alle Kinder bekommen die Hilfe

die sie brauchen.

Es gibt:

  • besondere Arbeits-Blätter
  • Hilfs-Mittel wie Computer oder Hör-Geräte

Die Schule passt sich an

alle Kinder an.

Eine inklusive Schule ist meistens barriere-frei.

So lernen wir an unserer Förder-Schule

Kinder der 8. Klasse erzählen.

Sie gehen auf eine Förder-Schule

mit dem Förder-Schwerpunkt Lernen. 

Überlege mal: 

Wie ist es an deiner Schule?

Wie lernen Kinder an einer inklusiven Schule?

Inklusive Schulen

sind für viele Kinder mit Behinderung

eine gute Lösung.

Ein Beispiel ist die Schule „An der Burgweide“ in Hamburg.

Dort lernen viele verschiedene Kinder zusammen:

  • Kinder aus verschiedenen Ländern
  • Kinder mit 29 Mutter-Sprachen
  • Kinder mit Behinderung
  • Kinder ohne Behinderung

Die Schule ist auf alle gut vorbereitet.

Und sie hat dafür einen Preis bekommen:

Den Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule.

Eine Schülerin erzählt von der Schule.

Die Schülerin sagt:

Alle Schüler und Schülerinnen können zur Schule kommen.

Die Schule hilft allen.

Das ist das Ziel von inklusiven Schulen.

Inklusive Schulen sind für alle Kinder.

Egal ob mit Behinderung oder ohne.

Alle lernen zusammen.

Jeder bekommt die Hilfe, die er braucht.

In dem Video zeigen die Schüler und Schülerinnen ihre Schule.

Welche Schulen besuchen Kinder und Jugendliche mit Behinderung?

Im Jahr 2023/2024 gab es in Deutschland 608.097 Kinder und Jugendliche mit Behinderung. 

Fast die Hälfte geht auf eine inklusive Schule. 

Im Jahr 2023 und 2024 sind das 263.734 Schüler und Schülerinnen. 

Etwas mehr als die Hälfte geht auf eine Förder-Schule. 

Im Jahr 2023 und 2024 sind das 344.363 Schüler und Schülerinnen.

Was macht man nach der Förder-Schule?

Schüler und Schülerinnen

mit einem Förder-Schul-Abschluss

können nach der Schule verschiedene Dinge tun.

Viele machen erst eine Maßnahme zur Berufs-Vorbereitung.

Dort lernen sie:

  • Wie man eine Bewerbung schreibt
  • Wie man ein Praktikum macht
  • Wie der Arbeits-Alltag in einem Beruf ist

Manche machen eine Ausbildung.

Sie bekommen dabei oft Hilfe.

Andere arbeiten in Werkstätten

für Menschen mit Behinderung.

Das wird oft abgekürzt. 

Die Abkürzung ist WfMb. 

Aber:

Es kann schwer sein für diese Menschen 

eine Arbeits-Stelle oder Ausbildungs-Stelle zu bekommen.

Menschen mit Behinderung machen verschiedene Schul-Abschlüsse.

Das hängt von der Art der Behinderung ab.

Manche Schüler und Schülerinnen schaffen den Haupt-Schul-Abschluss.

Oder den Real-Schul-Abschluss.

Oder das Abitur.

Das ist wie bei normalen Schulen.

Jugendliche mit Haupt-Schul-Abschluss können sich bewerben.

Jugendliche mit Real-Schul-Abschluss können sich bewerben.

Jugendliche mit Abitur können auch studieren.

Danach können sie in vielen Berufen arbeiten.

An manchen Förder-Schulen gibt es einen speziellen Abschluss.

Dieser Abschluss ist unter dem Haupt-Schul-Abschluss.

Aber:

Fast alle Ausbildungs-Stellen wollen

wenigstens einen Haupt-Schul-Abschluss.

Viele Menschen mit Behinderung

können nicht zeigen 

was sie schaffen könnten.

Sie könnten eigentlich viel mehr tun.

Und sie könnten in besseren Jobs arbeiten.

Mit mehr Geld.

Und mehr Anerkennung.

Inklusive Schulen sind besser.

Da können Schüler und Schülerinnen

normale Schul-Abschlüsse machen.

Je nachdem was sie leisten.

Oft machen sie dort

einen höheren Abschluss

als auf einer Förder-Schule.

Dann ist es leichter

einen Ausbildungs-Platz oder einen

Studien-Platz zu bekommen.

So haben alle Kinder

die gleichen Chancen. 

Egal ob sie eine Behinderung haben oder nicht.

So können sie besser lernen

und später gut arbeiten.

Denk mit:
Wie inklusiv ist deine Schule?

Anna möchte auf eine inklusive Schule gehen.

Sie möchte zusammen lernen

mit Kindern ohne Behinderung.

Und sie möchte einen normalen

Schul-Abschluss machen.

Aber:

Anna ist sich nicht sicher.

Sie fragt sich:

  • Ist die Schule bereit dafür?
  • Gibt es dort genug Hilfe und Unterstützung?

Was denkt ihr:

  • Können Kinder mit Behinderung 

an eurer Schule gut lernen?

Ist deine Schule wirklich barriere-frei?

  • Ist deine Schule wirklich inklusiv?

Ist deine Schule wirklich barrierefrei?

Zum Beispiel:

Sind alle nett und

respektvoll miteinander?

Sind die Tische

für alle gut?

Sind die Gebäude gut nutzbar?

Zum Beispiel:

Gibt es Fahr-Stühle?

Gibt es barriere-freie

Toiletten?

Gibt es genug Hilfe für alle?

Zum Beispiel:

Du hast ein Problem

Du kannst jemanden

fragen, der dir hilft.

Sind Lehrer und 

Lehrerinnen gut vorbereitet?

Zum Beispiel:

Brauchen sie Hilfe

von Sonder-Pädagogen?

Ist die Technik passend?

Zum Beispiel:

Hilft die Technik den

Schülern und Schülerinnen

beim Lernen?

Gibt es unterschiedliche Technik?

Gehen alle freundlich

miteinander um?